Budo...

...ist der japanische Oberbegriff für ostasiatische Kampfsportarten bzw. Kampfkünste, in denen der kriegerische Aspekt zugunsten der Persönlichkeitsförderung und spirituellen Selbstentwicklung aufgegeben wurde. Seit jeher war Budo eine Lebens- und Charakterschule, die wenig oder gar nichts mit dem zu tun hat, was wir im Westen unter dem Begriff „Sport“ verstehen. Nicht die äussere Leistung, sondern die innere Reifung und Menschwerdung stand und steht im Mittelpunkt der Weglehre der Kampfkünste. Aufgrund dieser originären erzieherischen, selbsterzieherischen aber auch therapeutischen Anteile der Auseinandersetzung mit sich selbst gewinnt Budo heute als neues Medium in der Pädagogik immer mehr an Bedeutung und Beachtung. Budo als eine körper-, bewegungs- und haltungsorientierte Ausdrucksform kann als eine besonders erlebnisintensive Methode einer neuen Sonder-Pädagogik betrachtet werden, deren „Weg und Ziel“ im Kontext der initiierten positiven Persönlichkeitsentwicklung in erster Linie selbstbewußtes und partnerschaftlich-prosoziales Verhalten ist.




Budo als pädagogischer Ansatz

Judo, Karatedo, Aikido, Taekwondo, Kung-Fu oder Tai-Chi wurden in den letzten Jahren äußerst erfolgreich in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit mit schwierigen Zielgruppen eingesetzt. Derartige Ansätze, die Budo ganz gezielt zur Entwicklung und Förderung von Selbstbewußtsein und Selbstbeherrschung oder positiven Sozialverhaltens anwenden, gehen inhaltlich und methodisch weit über ein „normales“ Training im Sportverein hinaus. Gefordert wird deshalb eine Vorgehensweise, die die erzieherischen und therapeutischen Aspekte des Budo systematisch einbezieht. Damit Jugendhilfe, Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit, Jugendstrafvollzug und Jugendpsychiatrie sowie weitere Bereiche der erzieherischen, sozialen und therapeutischen Arbeit mit jugendlichen Rand- und Sondergruppen von professionellen Budo-Angeboten profitieren können, wurde die Disziplin der Budopädagogik entwickelt. Sie trägt den Besonderheiten eines erzieherisch wirksamen Trainings und budopädagogisch effektiven Maßnahme durch eine spezielles berufliche Qualifizierung der Trainer/Lehrer bzw. Pädagogen/ Therapeuten Rechnung.


Dabei sind zunächst folgende orientierende Fragen hilfreich:

  • Was kennzeichnet das erzieherische Wesen des Budo?
  • Was genau ist Budo und worin unterscheidet es sich sein Wesen vom Sport ?
  • Worin besteht der bedeutsame Unterschied zwischen traditioneller Kampf-Kunst und modernem Kampf-Sport?
  • Welche Inhalte und Übungsmethoden vermitteln die erzieherischen Aspekte von Budo am besten ?
  • Was ist in einem guten Budo-Konzept – gleich welchen Kampfkunst-Stils oder-Systems – unverzichtbarer Bestandteil ?
  • Was ist verzichtbar oder gar kontraproduktiv ?
  • Was ist die spezielle Pädagogik des Budo ?
  • Was unterscheidet einen „Lehrer“ von einem „Trainer“ ?
  • Wie können im Budo (-Unterricht) und über Budo (als Methode) die besonderen Lehr- und Lerninhalte transportiert, die gesteckten Lernziele erreicht werden?
  • Welcher Ansatz ist für welche Zielgruppe erzieherischen besonders sinnvoll ?
  • In welchen Einrichtungen sind budopädagogische Angebote als eigenständige oder ergänzende Massnahmen sinnvoll ?
  • Wie können budopädagogische Projekte erfolgreich geplant und in der Praxis erfolgreich durchgeführt werden und wie auf Dauer etabliert ?

Die Eckpfeiler der Budopädagogik

Die Disziplin der Budopädagogik ist die spezielle Pädagogik

  • des Budo (d.h. was wird im Budo gelehrt ?),
  • im Budo (d.h. wie werden Lernprozesse organisiert ?) und
  • durch Budo (d.h.: was wird speziell wie erreicht ?).

Die Bezugssysteme der Budopädagogik liegen in der Theorie und Praxis von Psychologie und Erziehungs- und Sportwissenschaft. Die Budopädagogik gewinnt auch eigene Erkenntnisse aus der Analyse und der Konvergenz ihrer fachlichen Nachbardisziplinen und „Nebenfächer“, beispielsweise der Philosophie, Soziologie, Kriminologie.

Die Betonung interdisziplinärer Konzepte ist bei der eklektizistischen Entwicklung und Vorgehensweise der Budopädagogik programmatisch und bezieht sich selbstverständlich auch auf die Synergie östlicher und westlicher Verfahren der Persönlichkeitsbildung und -entwicklung.


Einige exemplarische Arbeitsthemen im Überblick:

  • Das Wesen des Budo (Budo-Theorie: Geschichte, Geisteskultur
  • 
und Philosophie des Budo; Budo-Lehre, -Praxis und Wirkung)
  • Historische Entwicklung ostasiatischer Kampfkünste
  • Yoga, Taoismus, Konfuzianismus und Buddhismus als essentielle Grundlagen der Budo-Geisteshaltung
  • Möglichkeiten und Grenzen des Ost-West-Transfers
  • Koryu Bugei – Gendai Budo: gestern und heute
  • Do: Die Bedeutung des „WEG“-Prinzips
  • Seishin: Budo-Geist - Meditation und Mondo...
  • Reigi: Die Etikette - Ritual oder „Innerer Schulungsweg“ ?
  • Analyse von originären Lehrmethoden des Budo (Shu-Ha-Ri)
  • Anspruch und Bedeutung des „Kampfes mit/gegen sich selbst“
  • Die Innere und Äussere Haltung des „Friedvollen Kriegers“
  • Ishin-Denshin: Die „Trainerrolle“ vs. das Lehrer-Schüler-Verhältnis (Shitei)

Grundlagen der Sportwissenschaft (Sportpädagogik,Sporttherapie)

  • Theorie und Praxis des Sports als Medium Sozialen Lernens
  • Sportpädagogische Modelle in der Jugend- und Sozialarbeit

Relevante Bausteine aus dem Bereich der Erziehungs-wissenschaften (Pädagogik, Sozialpädagogik, Erlebnispädagogik) und Psychologie

  • Grundlagen des Lernens und der Erziehung
  • pädagogisch/psychologische Theorien, Modelle, Ansätze
  • Ziele und Methoden der außerschulischen Jugendbildung
  • Neue Wege: Anspruch und Wirklichkeit der Erlebnispädagogik
  • „Kopf-Herz-und-Hand“ - Über ganzheitliche Pädagogik und Budo

Die Budo-Pädagogik als "Sonder"-Pädagogik (Synergie: Grundlagen, Konzepte)

  • Ergebnisse der Budo-Forschung
  • Grundlagen und Bausteine einer budospezifischen „Sonder“-Pädagogik
  • Budo im erzieherischen, sozialen oder therapeutischen Feld
  • Zielgruppen-Orientierung (welcher Ansatz wie und warum für wen?)

Pädagogisch-therapeutische Konzeptentwicklungen und Projekte

  • Projektmanagement – vom Planen, Organisieren und Umsetzen eigener Ideen
  • konkrete Problemstellungen der Planung, Durchführung zielgruppenorientierter und themenspezifischer budo-pädagogischer Angebote und -Konzepte in unterschiedlichen Berufsfeldern
  • Ansprüche, Ziele und Chancen als Budo-Pädagoge

Praxisbeispiele

In den Kurseinheiten werden auch Praktiker exemplarisch ihre budopädagogische Arbeit in unterschiedlichen Feldern vorstellen, z.B.:

  • in der Schule
  • im Hort / Kindergarten,
  • in der Offenen Jugendarbeit,
  • in der Jugendsozialarbeit,
  • in der Heimerziehung,
  • im Maßregel-, Straf- und Jugendstrafvollzug,
  • in der Sozialtherapie,
  • in der stationären Drogentherapie,
  • in der Psychiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie, oder
  • in der Behindertenarbeit…

Genau hiermit befasst sich konkret die Weiterbildung zum Budo-Pädagogen / zur Budo-Pädagogin.

Seit 1999 findet alle 2 Jahre seit 1999 die berufsqualifizierende Weiterbildungsreihe statt.

Mit der 7. Kursstaffel (2011-2013) wird die Weiterbildung in Deutschland exklusiv vom Institut für Budopädagogik und Kurs 8 zusätzlich in Österreich erstmals mit und beim Kooperationspartner "Bildungshaus Breitenstein" (www.breitenstein.or.at), Linz, angeboten.

Daneben sind weitere Kurse, Oberseminare und Ausbildungsstufen zusätzlich zu laufenden Kursen in Vorbereitung.
Neben der Ausbildung zum Practitioner " / 1. Grad sind aufbauende Ausbildungsreihen wie die zum 2. Grad (2011/2012) bereits erfolgreich durchgeführt und zum "Instructor" / 3. Grad (2013) geplant.