Budotherapie

Budotherapie ist ein körper(-psycho-)therapeutischer Ansatz auf der Grundlage traditioneller fernöstlicher Kampf-, Bewegungs- und Heilkünste (jap.: Budo) zur Heilung, Linderung oder Prävention von physischen, psychosomatischen und psychischen Krisen, Störungen, Krankheiten, Behinderungen und Leiden.

In der Budotherapie kommen die spezifizierenden Wesenselemente (Bu – Kampf, Do – Weg, Dojo – Ort, Reigi – Ritual, Shitei – Beziehung, und Zen – Meditation) sowie die Prinzipien des Budo (Isho – Ganzheitlichkeit, Onmyodo/Yin-Yang – Dualitäts-Harmonie, Mitsutomoe – Dreigliederung, Shidai – 4-Elemente (Feuer, Erde, Wasser, Luft), Gokyo – 5-Wandlungsphasen (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser) und Tokushoku – Wesensgrundlagen) berücksichtigenden Theorien und Praktiken im Kontext störungsspezifischer Behandlungskonzepte in ‘Bewegung, Begegnung und Besinnung’ zur Anwendung.

Übungen zur psychophysischen und psychoemotionalen Aktivierung, Stärkung und Stabilisierung bei internalisierenden Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen bzw. Lockerung, Entspannung und Beruhigung bei externalisierenden Störungsbildern werden in der Budotherapie in Anlehnung an die Traditionelle Chinesische Medizin und Gesundheitslehre (TCM mit Blick auf Meridiane, „Energielenkung“, Ernährung und taoistische Heilgymnastik) speziell aus dem Repertoire klassischer Budo-Systeme wie z.B. Yoga, Tai Chi, Qi Gong, Kung Fu, Aikido, Karatedo, Shoto Kempo, Kyusho-jutsu oder der Arbeit mit Schwert (Iaido) und Stock (Kobudo, Escrima) ausgewählt und zu einem individuellen Behandlungsprogramm zusammengestellt.

Hier kommen neben speziellen (100 Basis- und weiteren jeweils stiltypischen) Kampfkunstübungen mit Partnern, japanischem „Buddha-Bogen“-Schießen und erlebnispädagogischen Budo-, Kampf-, Bewegungs- und Kooperationsspielen auch fernöstliche Atemübungen, Körperwahrnehmungsübungen, Konzentrations- und Achtsamkeitsübungen, Meditation (Zazen, Kinhin) und körperdynamische Entspannungsverfahren sowie sanfte Berührungen (Reiki) zum Tragen.

Literaturtipp: Budo-Therapie. Die Evokation heilender Effekte in asiatischen Kampfkünsten … (PDF)

Anwendungsgebiete

Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich in sozial- und psychotherapeutischen Kontexten ambulanter, teil- und vollstationärer klinischer Behandlung, die sich seit Anfang der 1990er Jahre zusehends vor allem in der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder der Psychosomatik bewährt haben.

Eine eigenständige budotherapeutische Methode mit besonders Karatedo-spezifischen Elementen der Übung aufrechter Haltung (Shisei), des inneren und äußeren Kampfes (Kumite), der Stille und Achtsamkeit (Zen) sowie der Form (Kata) findet sich auch in der Integrativen Bewegungstherapie.

Weiterbilungen "Klinischer Budopädagoge" und Budotherapeut

Im Bereich der Budotherapie bietet das IfBP zwei berufsqualifizierende Weiterbildungen an:

a) Die Ausbildung „Klinischer Budopädagoge , Klinische Budopädagogin“© richtet sich an Psycho- oder KörperpsychotherapeutInnen, PhysiotherapeutInnen, MotopädInnen, Sport- und BewegungstherapeutInnen oder Fachkräfte aus medizinischen (v.a. psychosomatischen) Kontexten, die die über eine fortgeschrittene Kampfkunst-Graduierung, Lehrerfahrung oder langjährige Übungspraxis in Kampfkunst (Budo) verfügen und an bereits vom IfBP zertifizierte BudopädagogenInnen, die Ihr Wissen im therapeutischen Bereich vertiefen möchten.

Die Weiterbildung zum “klinischen Budopädagogen, klinische Budopädagogin” befähigt dazu, im Vorfeld von hochprofessioneller Budotherapie mit fachlich-fundiert spezialisierten ambulanten Angeboten und Interventionen im teil- oder vollstationären Therapiebetrieb erfolgreich an der Behandlung psychisch erkrankter Menschen mitzuwirken.

b) Die Ausbildung zur Budotherapeutin/zum Budotherapeuten richtet sich an bereits ausgebildete klinische BudopädgogenInnen und an Budopädagogik-Instructors mit Kooperationsvertrag. Die Absolventen sind befähigt, hochprofessionelle Budotherapie zu betreiben. Sie werden vom Internationalen Berufsverband der Budopädagogen und -therapeuten, BvBP, vertreten.